Der Autor Thomas Melle hat mit seinem Roman ›Die Welt im Rücken‹ und der Nominierung zur Shortlist des Deutschen Buchpreis im Herbst 2016 das Krankheitsbild der bipolaren Störung und seinen Rang als einer der besten jungen deutschen Autoren ins öffentliche Bewusstsein gebracht. Im gleichen Jahr wurde auch sein Stück ›Bilder von uns‹ uraufgeführt und in die Endauswahl zum Mülheimer Dramatikerpreis eingeladen. In diesem Theatertext findet Melle eine ganz eigene prägnante Sprache für die Schwierigkeiten des Erinnerns, die blinden Flecken in der eigenen Biografie, für das Verdrängen, Nicht-Erinnern-Wollen und -Können. Eine Gruppe ehemaliger Internatsschüler erkennt in den Fotos, die ein Pater von ihnen als Jungen im Schulgarten aufnahm, ein Zeugnis von Grenzüberschreitungen: den ästhetisierenden, aber begehrenden Blick eines Erwachsenen. Die Ereignisse überstürzen sich, während einige Mitschüler sofort die Öffentlichkeit aufrütteln wollen, lehnen die anderen es ab, erneut als Opfer dazustehen und das Trauma von damals wieder wachzurufen.
 
Das junge Regieteam, der Hamburger Regisseur Henri Hüster und die Berliner Bühnen- und Kostümbildnerin Hanna Rode haben einen Raum für Assoziationen auf der Bühne geschaffen, in dem ein sehr körperliches Ensemblespiel möglich ist.

Bilder von uns
von Thomas Melle

Premiere: Fr. 13. Oktober 2017, Theater am Engelsgarten
Regie: Henri Hüster, Ausstattung: Hanna Rode, Choreografie: Sylvana Seddig, Dramaturgie: Barbara Noth
Mit: Philippine Pachl, Alexander Peiler, Martin Petschan, Julia Reznik, Konstantin Rickert, Lena Vogt, Stefan Walz

 
3 Fragen an die Bühnenbildnerin Hanna Rode
Wie ist die Idee für das Bühnenbild entstanden?
Wir wollten einen Raum schaffen, der eine Begegnung der verschiedenen Ich-Splitter jeder Person ermöglicht. Für uns geht es um die Frage der Identität. Wer bin ich? Wie viele verschiedene Möglichkeiten stecken in mir und welchen Blick habe ich darauf? Ein Ort, an dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, aber auch Realität und Fiktion verschwimmen.
 
Welche Kunstwerke und Künstler waren inspirierend?
Die Entscheidung mit Masken zu arbeiten hat mich in meiner Recherche auf den Künstler Richard Gerstl stoßen lassen. Die Vielschichtigkeit eines Gesichtes und diese Art von Überlagerung haben mich fasziniert – als wären alle Bilder eines Menschen innerhalb seines Lebens übereinandergelegt worden.
 
Wie verläuft ein Arbeitstag als Bühnen- und Kostümbildnerin hier in Wuppertal am Theater?
Mein Tag beginnt meist in der Werkstatt. Es wird viel ausprobiert, besprochen, nach Lösungen gesucht. Welches Material eignet sich am besten? Wie ist es zu verarbeiten? Wo bekommt man es her? Das gilt für alle Bereiche:
Tischlerei, Beleuchtung, Dekoabteilung, Maske oder Kostümabteilung. Dann wird die Probe vorbereitet, kontrolliert, ob alle Kostüme da sind, die Bühne eingerichtet ist. Nach der Probe besprechen wir im Regieteam die Probe und klären offene Fragen. Im Anschluss wird eingekauft, gefärbt, gezeichnet, recherchiert, um dann abends wieder auf die Probe zu gehen.